Homeschooling bei Schulschließung

Homeschooling – 4 praktische Ideen

Mindset

Liebe Eltern! Haben Sie schon mal Homeschooling gemacht?

“Mensch, wie hast du das all die Jahre hingekriegt?”, werden nun die Sonderlinge, Freaks oder Alternativen gefragt. Zu denen gehöre ich. Wir haben im Ausland vier Jahre als Familie im Homeschooling oder Fernlernen nach deutschem Lehrplan gelernt. Und plötzlich gehören ‘alle’ zu den Homeschoolern. Zum Beispiel berichtet Chefreporterin Tanja Kewes vom Handelsblatt hier im Online-Tagebuch von ihrem neuen Leben zuhause – und viele können sich mit ihren Erfahrungen neuerdings identifizieren. Homeschooling ist augenblicklich Mainstream geworden. Es ist für jede Familie in unseren Breiten sogar Pflichtprogramm.

Dieser Beitrag will in die Lücke der Desinformation und Ratlosigkeit treten und einige praktische Tipps fürs Überleben liefern. Wer plötzlich zuhause sein gesamtes Leben neu organisieren muss, braucht dazu eine positive Einstellung.

Was ist eigentlich das Gute am Homeschooling? Ein paar Vorzüge sind:
  • Morgens hat die Familie keinen Losgehstress.
  • Eltern können näher an den Kindern dran sein und besser sehen, was sie bewegt.
  • Plötzlich gibt es sooo viel Familienzeit – vielleicht ein gemeinsames Mittagessen täglich unter der Woche, falls beide Eltern neuerdings im Homeoffice arbeiten.
  • Den Kindern kann man etwas mitgeben fürs Leben – eigene Grundwerte, Geschichten und ein Vorbild.
  • Der Lebensstil ist entschleunigt, aber die Flexibilität ist enorm.
  • Familien haben plötzlich freie Zeiteinteilung – ganz so, wie sie zu jeder Familie individuell passt.
  • Zuhause hört man nicht von Streits in der Schule, in die die eigenen Kinder ungewollt verwickelt worden waren – denn es gibt ‘keine Schule’.
  • Kinder lernen das (eigenständige) Lernen, denn die Eltern können nicht ständig über den Aufgaben schweben – und Kinder erwarten das von deren Rolle auch gar nicht.
  • Das Lernen zuhause kann den unterschiedlichen Lerntypen angepasst werden in Bezug auf Rhythmus, Lernzugänge, Präferenzen, Routinen, zusätzliche Lerninhalte und Anspruch.

Den Tag organisieren – wie ist Homeschooling machbar?

Das A & O beim Homeschooling ist meiner Meinung nach ein Plan. Entweder gibt es ihn im eigenen Kopf oder an der Wand im Kinderzimmer zum Nachlesen. Es ist jederzeit möglich, den Plan anzupassen – nur sollte man mit einer Idee anfangen. Was gehört dazu? Einige Fragen, die sich Eltern stellen könnten, wären:

  • Um wieviel Uhr wollen wir anfangen und aufhören?
  • Wie lange wollen wir lernen? Ich schlage als Rahmen drei Schulstunden von je 45 bis 60 min vor in der jetzigen Situation in den deutschsprachigen Ländern.
  • Für Dauer-Homeschooler, z.B. deutsche Expats irgendwo auf der Welt, sollte der Plan annähernd so umfangreich sein wie der ‘normale’ Stundenplan zuhause. In einer anderen Kultur überraschen einen öfter Vorkommnisse, auf die man spontan reagieren muss. Das fällt auch mal in die Unterrichtszeit, so dass Lücken entstehen. Diesen beugt man durch eine angemessene Stundentafel vor mit einem zeitlichen “Polster”. Denn grundsätzlich lernen Kinder in individuellen Situationen wie beim Homeschooling viel schneller und konzentrierter als in Gruppen. Übrigens interessiert Sie dann vielleicht diese Liste virtueller Schulen?
  • Ist das Mittagessen schon fertig – und wenn nicht: Was essen wir überhaupt morgen und in der übrigen Woche? Wann wird es gekocht? Denn nicht nur die Kinder lernen; vor allem der Erwachsene lernt, seinen Tag extrem diszipliniert zu gestalten. Gibt es auch Nachtisch?
  • Wer kauft wann ein, denn die Kinder dürfen ja nicht (mehr) einfach so mitkommen. Es muss also organisiert werden. Außerdem sollte beim Supermarkt gerade eine Lieferung eingegangen sein, sonst gibt es wichtige Zutaten womöglich gar nicht zu kaufen. Das sind neuerdings Zustände in manchen Läden, wie sie einige noch aus DDR-Zeiten in Erinnerung haben. Apropos DDR. Hier geht es zu einem Artikel mit Bezug zur Institutionalisierung von Bildung in beiden Teilen Deutschlands. Aber zurück zu unserer Checkliste…
  • Wann ist eine längere Pause für die Kinder am besten? So können sie einen Snack essen oder rausgehen, falls man zu den Glücklichen mit Garten oder freier Natur hinterm Haus auf dem Land gehört. Ach ja: Muss der Snack noch vorbereitet werden? Oder drücke ich den Kindern den Apfel einfach als ganze Frucht in die Hand?
  • Welche Belohnungen könnte ich aussetzen und wofür? Mini-Süßigkeiten, die es sonst nicht gibt, vielleicht? Oder 20 min eine Lern-App spielen? Hier finden Sie dazu eine Liste. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt – aber kreativ sollte man bei diesem Punkt im eigenen Interesse unbedingt sein.
  • Wie könnten mir die Kinder zur Hand gehen? Das kann ich gleich als Unterrichtsfach “Hauswirtschaftstechnik” ansehen: jeden Tag ein bis zwei Pflichten pro Kind, je nach Alter.
  • Wem es mit dem Homeschooling zu unübersichtlich wird, auch noch DARAUF zu achten, dass Kinder im Haushalt mithelfen, dem sei folgender Gedanke angeboten: Jeden Tag tut jedes Kind irgendeine Sache. Dann muss sich Mama nur noch fragen: Hat mir heute schon eins meiner Kinder geholfen?
  • Manche erstellen schnell eine Art “Glücksrad” mit Scheiben, auf denen Kindernamen, Tätigkeiten oder Wochentage stehen. So ist es leichter, den Überblick zu behalten. Mit zwei Kindern kann man z.B. auch dieselbe Arbeit in gerade und ungerade Tage einteilen: Wäsche falten, Geschirrspüler ein-/ ausräumen usw. Und sonntags haben die Kinder frei. Selbstverständliche Dinge wie Platz aufräumen sollten nicht als “Haushaltshilfe” gelten oder spätestens jetzt ins Homeschooling integriert werden, damit sie in Fleisch und Blut übergehen.
  • Networking und guten Rat holen: “Hallo, wie macht IHR das eigentlich? Bei mir ist Land unter!!!”
  • Locker bleiben und das Entdecken im Alltag als Lernen ansehen. Diese Idee geht auf das Lernen nach Methoden von Charlotte Mason zurück und ist besonders in der amerikanischen Homeschoolbewegung verbreitet. Es gibt alle möglichen Homeschoolansätze von Notebookingpages bis Unschooling, die Sie im bereits genannten englischsprachigen Artikel finden. Für alle, die sich damit eigehender befassen wollen, gibt es in diesem Beitrag hier einen Link zu einer Übersicht.

Den ‘Unterricht’ zuhause organisieren

Das Hauptproblem des Homeschoolings ist, die Motivation im Alltag überhaupt aufrechtzuerhalten und dies auf lange Zeit. Jeden Tag ohne Schulglocke anzufangen, ist ein Thema. Nach der Pause zuhause wieder mit dem Lernen einzusteigen, ist ebenfalls nicht einfach. Denn das Zuhause verbindet ein Kind mit Spielen und allenfalls Hausaufgaben, jedoch nicht mit Unterricht. Und schließlich ist die Zeit am Schreibtisch über den Arbeitsblättern eine Herausforderung hinsichtlich der Motivation. Da muss durchgehalten werden. Die soziale Kontrolle durch Mitschüler ist nicht gegeben. Auch Noten oder die Anwesenheit eines Lehrers sind als äußeres ‘Druckmittel’, um gerade jüngere Kinder zum Lernen anzuhalten, momentan nicht wirksam. Kurz: Es gibt genug Stolpersteine, dass Homeschooling glatt läuft.

Deshalb kommen jetzt stichwortartig ein paar Inspirationen zu Hilfe:

  • Einen Schulgong kreieren: eine Wiedererkennungsmusik oder überhaupt Musik (sonst läuft man den Kindern hinterher und nicht sie der Musik).
  • Die selbst gesetzten Uhrzeiten einhalten (lassen) – so gut es geht.
  • Belohnungen überlegen und einsetzen: für einzelne Seiten, für eine gut gelaufene Stunde, für einen gut ausgefüllten Tag – mit der Zeit wird man es immer weniger brauchen. Auch dazu finden sich im oben genannten Beitrag konkrete Beispiele.
  • Reden der Geschwister untereinander möglichst auf die Pausen beschränken; das können auch schon Grundschüler einhalten.
  • Wenn das Homeschooling zusammen (im selben Raum) nicht klappt, dann die Kinder trennen – punktuell oder grundsätzlich. Zur Not geht auch ein aufgestellter Ordner als Trennwand, wenn man wenig Raum hat, Stichwort: Büchermauer.
  • Hausaufgaben können – in der jetzigen Situation der Schulschließungen – wohl weggelassen werden, wenn vormittags gut gearbeitet wird. Es gibt auch Familien oder ältere Schüler, die lieber den ganzen Tag über lernen, dafür in kleineren Portionen und mit großen Abständen dazwischen. Stichwort ‘Konzentrationskurve’.
  • Und zuletzt das, was zuerst kommen sollte: Ein festes Morgenritual am Anfang des Schultages nach der Musik. In einem vorgeschlagenen Plan am Ende dieses Artikels hier nenne ich Andachten ‘Devotional’ für Familien, die den Tag gern mit gemeinsamem Gebet beginnen. In Grundschulen heißt eine Austauschzeit ‘Morgenkreis’ und bei älteren Kindern könnte man hier die großen Lebensfragen ansprechen: “Wie stellst du dir dein Leben in 10 Jahren vor?”, “Was hast du von Großvater gelernt, was du nicht vergessen möchtest, wenn du erwachsen bist?”, “Welche Probleme der Welt können durch kleine Initiativen vor Ort angegangen werden – was wäre deine Rolle dabei heute” usw.

Die Lernumgebung beim Homeschooling organisieren

Hier sollen Ihnen einige organisatorische Tipps auf die Schnelle helfen, Ihren Kindern ‘Schule zuhause’ zu erleichtern:

  • Ordnungssysteme anlegen für den Fall, dass das Homeschooling so bis zum Sommer oder darüber hinaus anhält. Die Kinder müssen zuhause wissen, wie sie die Arbeitsblatt-Flut (neu) organisieren können. Im Keller gibt es vielleicht noch ein paar Schuhkartons für DIN A4-Blätter für den Anfang? Diese können nach Fächern beschriftet und an passender Stelle platziert werden. Geschäfte haben geschlossen – also muss die Familie kreative Lösungen erfinden.
  • Möglichst feste Arbeitsplätze ermöglichen – am Küchentisch oder Schreibtisch.
  • Auf sauberer Schrift bestehen und auch darauf, dass das Material gut behandelt wird und nicht durch den Raum fliegt.
  • Mit demselben Fach anfangen, denn so schaffen Sie eine berechenbare Struktur: immer Deutsch am Anfang oder Mathe. Das geht natürlich nur dann, wenn genug Material für dieses Fach da ist.
  • Wenn es nicht genug Material gibt, können Eltern auf eigene Faust hier nach Ressourcen suchen. Speziell für Mathe finden Sie hier eine Besprechung von Materialien. Alternativ gibt es Module mit Unterrichtseinheiten für ca. 25€+7%Mwst+Porto* hier bei der Deutschen Fernschule oder es können Schulen (gegen Spende) PDF-Dateien bei der Deutschen Fernschule ordern. Für Bildungseinrichtungen schlagen sie lediglich 20% der obigen Kosten als Unkostenbeteiligung vor. Das Material eignet sich hervorragend zum eigenständigen Lernen.

*Angaben ohne Gewähr.

Es gäbe noch viel zu sagen. Bitte wenden Sie sich gern mit Ihren Fragen an mich oder bestellen Sie für Inspirationen den Newsletter gleich unten. 🙂

Homeschooling. Your Home & Your School. Enjoy!

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