Deutsche Online Schulen und Fernschulen

Deutsche Online Schulen und Fernschulen. Teil 1 der Schulserie für deutsche Expats

Wer an ein Sabbatjahr oder Jahr in Elternzeit im Ausland nachdenkt und Kinder hat, fragt sich sofort, wo die Kinder dann ihren Unterricht bekommen können. Eltern fragen sich vielleicht, welche deutschen Online-Schulen oder Fernschulen es gibt. Nach welchen Kriterien soll eine Schule ausgewählt werden? Diesen Fragen widmet sich Teil 1 der Mini-Serie.

Oder: Wie findet man im Ausland eine gute Schule vor Ort? Gibt es eine deutsche Auslandsschule oder internationale Schule – und was ist besser? Darum geht es in Teil 2 der Mini-Serie zu Optionen für deutsche Expats im Ausland.

  1. Kriterien bei der Auswahl
  2. Deutsche Fernschulen
  3. Deutsche Online-Schulen – Webindividualschule
  4. Startup im deutschen virtuellen Privatschulsektor

1. Kriterien bei der Auswahl einer deutschen online Schule oder Fernschule

In Deutschland ist es nach wie vor so, dass Zertifikate und Anerkennungen eine große Rolle spielen. Das ist nicht anders bei Schulen. Es gibt insgesamt viele Facetten zur Schulbildung zu berücksichtigen, wenn man als Deutscher ins Ausland zieht.

Ein Jahr im Ausland. Entschließt sich eine deutsche Familie nur eine kurze Zeit, z.B. ein Schuljahr, ins Ausland zu ziehen, kann man an der bisherigen Schule einen Antrag auf Beurlaubung stellen. Wird er genehmigt, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, genau an dieser Schule nach dem Auslandsaufenthalt wieder einsteigen zu können. Für Details wenden Sie sich jedoch bitte an die jeweilige Schulleitung oder Schulaufsicht Ihrer Region. Man sollte im Vorwege besprechen, welche schulischen Voraussetzungen im Ausland (Stichworte: Niveau, Lehrplan usw.) gegeben sein müssen, damit das Kind nach dem Auslandsjahr die Klasse nicht wiederholen muss. Meist spielen die “Genehmigung” oder gar “Anerkennung” der Schule im Ausland eine große Rolle, aber vor allem auch die behandelten Inhalte auf ähnlichem Niveau.

Viele Jahre ins Ausland. Ist der Auslandsaufenthalt mehrjährig, muss auch die Planung langfristig sein. Einerseits haben Eltern mehr Zeit für Experimente, um z.B. mit Fernschulen im Homeschooling zu lernen. Andererseits müssen sie sich schon bei der Ausreise Gedanken machen über eine mögliche Wiedereinreise. Dazu gehört z.B. sich zu informieren, inwiefern Abschlüsse von deutschen Fernschulen oder deutschen Schulen online beim nahtlosen Wiedereintritt ins deutsche Schulsystem zählen. Alle Privatschulen werden dazu in zwei Kategorien einsortiert – ‘genehmigt’ oder ‘anerkannt’.

Genehmigt. Als “genehmigt” bzw. “zugelassen” gelten deutsche Schulen, die ein Verfahren der zuständigen Behörde durchlaufen haben, das bestimmte Qualitätsmerkmale der Schule prüft. Dazu gehören z.B.

  • der Lehrplan gemäß Voraussetzungen der KMK und gemäß Schulprofil – falls ein eigener benutzt wird;
  • die Ausbildung der Lehrer – üblich ist eine Erwartung seitens der Behörde von 80% klassisch ausgebildeten Lehrern im Team bzw. Kollegium, die einen Masters oder 1. sowie das 2. Staatsexamen der angebotenen Schulform/ -stufe vorweisen;
  • lediglich ein geringer Anteil von Quereinsteigern – Richtgröße ist dabei üblicherweise eine Anzahl von maximal 20% von ähnlich ausgebildeten Akademikern, die jedoch quer aus einem anderen Beruf einsteigen. Beispiele: ein Pastor unterrichtet Religion, ein Physiker gibt Physikunterricht, ein Diplomsportlehrer für Erwachsene darf Kindern Sportunterricht erteilen usw. Oder anders gesagt: selbst Quereinsteiger müssen einen recht ähnlichen Hintergrund aufweisen, um überhaupt eine Lehrberechtigung zu erhalten;
  • Equipment, wenn es um physische Schulen geht.

Die Genehmigung geht der Anerkennung einer privaten Schule immer voraus. Das impliziert also immer ein mehrjähriges Verfahren hin zur Anerkennung, wobei die Genehmigung einen wichtigen Zwischenschritt bedeutet.

Anerkannt. Derzeit gibt es nur wenige genehmigte / zugelassene Alternativen für Expats und Homeschooler. Und es gibt keine einzige anerkannte deutsche Schule im Ausland – mit Ausnahme der offiziellen Auslandsschulen, siehe Teil 2 der Mini-Serie. Das sind die deutschen Repräsentationen im Ausland und sind wie reguläre staatliche Schulen zu sehen. Wer sich also für deutsche Fernschulen oder deutsche online Schulen interessiert, muss dies im Hinterkopf behalten.

2. Deutsche Fernschulen

Zwei deutsche Fernschulen für Grundschüler und Kinder an weiterführenden Schulen finden Sie in Absatz zwei zu deutschen Schulen mit Fernlernkonzepten. Diese empfehle ich – teils aus eigener Erfahrung oder aber anhand Erfahrungen von Expats und Lehrern aus erster Hand, die mit den Materialien im Ausland gearbeitet haben oder arbeiten. Es sind die beiden großen Namen mit jahrzehntelanger Erfahrung auf dem deutschen Fernlernmarkt.

3. Deutsche Online Schulen – Webindividualschule

Die einzige Option, die nach Stand Mai 2021 als deutsche online Schule zu empfehlen ist, schildere ich ebenfalls im bereits erwähnten ähnlichen Artikel. Es ist die Webindividualschule, siehe dritter Punkt. Sie ist eher nicht für Expats gedacht, sondern für deutsche Schüler im Inland, die – ganz wertfrei – in irgendeiner Weise ‘aus dem System fallen’.

4. Startup im virtuellen Schulsektor

Das Startup aus ca. 2020, das sich ‘Wilhelm von Humboldt Online Privatschule‘ nennt. Zunächst stellt sich im Zusammenhang mit einem neuen Startup die Frage, ob in Deutschland der Begriff ‘Schule’ ein geschützter Begriff ist. Denn sonst würde eine Namensgebung einen offiziellen Status wiedergeben, der so nicht unbedingt gegeben sein könnte. Das ist die Frage bei dem neuen Online-Angebot, dem allerdings Erfolg zu wünschen ist. Denn es gibt definitiv eine Marktlücke im privaten Schulbereich für virtuelle Anbieter von Unterricht nach deutschem Lehrplan.

Der Name. Nun gibt es also diesen neuen Anbieter mit Namensanleihe vom Humanisten Wilhelm von Humboldt und Internetauftritt als ‘Deutsche Online Schule’. Ein Name weist auf eine profilmäßige Richtung – vielleicht soll es eine humanistische Schule werden, was sich vor allem in möglichen Profilen niederschlagen könnte.

Schulinitiativen. Wer nun schon selber an Schulgründungsinitiativen beteiligt war und auch Berater von solchen kennt, weiß wie hart der Start von Schulinitiativen in Deutschland ist, wie genau das Profil im Vorwege bestimmt werden muss und wie viele Gespräche mit zuständigen Behörden den Weg oft steinig machen. Umso mehr ist der Mut beachtlich, Expats mit einer deutschen Online-Alternative bildungsmäßig aus der Patsche zu helfen. Es wird ein langer Weg werden für die Gründer als auch die Eltern.

Gebühren. Nicht jede Familie mag sich mit Fernlernmaterial anfreunden und so geht diese deutsche online Schule direkt in eine Marktlücke. Da jedoch die ersten drei Jahre komplett selbst finanziert werden müssen, ehe eine Schule überhaupt ein Genehmigungsverfahren in Deutschland anstreben kann, ist es nicht billig. So lassen sich die – aus meiner Sicht, hohen – Gebühren erklären. Die Website gibt nicht Auskunft über die Anfänge. Lediglich aus dem Copyright in der Fußzeile, das zum Datum der Veröffentlichung dieses Beitrags auf ‘2020’ gesetzt ist, kann man einen Anfang erahnen. Es ist aber davon auszugehen, dass die monatlichen Schulgebühren daher noch eine Weile hoch bleiben, z.B. auch wegen des Fehlens jeglicher staatlicher Unterstützung.

Elternengagement. Dementsprechend muss Eltern klar sein, dass sie sich mit der zuletzt besprochenen Schulgründungsinitiative auf einen ungewissen Weg begeben. “Ungewiss” meint, dass Sie als Eltern mit Ihren Kindern Teil genau dieser Schulgründung werden. Oft sind es Eltern, die die Etablierung von Privatschulen überhaupt erst ermöglichen. Wenn man das möchte und eine gewisse Abenteuerlust, vor allem aber Vertrauen in das schulische Angebot mitbringt, mag das ein gangbarer Weg sein.

Lehrer. Eltern sollten hinter die Fassade eines strahlenden Teams schauen – damit sind hier vor allem fachliche Qualifikationen gemeint. Es ist wunderbar, wenn die Schulkultur ein junges Team bietet, viele Ideen und Esprit. Wichtig sind aber an Schulen vor allem die voll ausgebildeten Lehrer. Denn ausgebildetes Lehrpersonal mit Masterabschluss und 2. Staatsexamen sowie der langfristigen Bereitschaft zu weniger Privilegien (Verbeamtung) und oft niedrigerem Einkommen ist nicht leicht zu finden. Umso schwieriger dürfte es sein, wenn es um eine rein virtuelle Tätigkeit geht. Denn der Lehrer ist ein soziales Wesen, der häufig den Beruf wählt, weil er nah an Kindern, Eltern und Mitmenschen dran sein kann. Wer nun gut ist als Lehrer, muss erst einmal überzeugt werden, vor den genannten Einschränkungen einzusteigen.

Der Blick aufs Ende – Schulabschlüsse. Und noch eins ist wichtig. Es sollte bei älteren Kindern unbedingt bedacht werden, welchen Abschluss sie anstreben wollen/ sollen. Dann nämlich stellt sich die Frage: Kann so ein Abschluss erreicht werden innerhalb der schätzungsweise 5 Jahre bis zu einer möglichen Genehmigung, wenn man mindestens 3 Jahre Existenz in schulischer Autosuffizienz + 2 Jahre Genehmigungsverfahren unterstellt. Es sollte daher geklärt werden, ob die Vorbereitung an dieser deutschen online Schule bzw. Schulinitiative ausreichend ist, um für die sogenannte externen Prüfungen in Deutschland die nötige Voraussetzung mitzubringen.

Abschlussprüfungen. Und vermutlich nur, wenn die oben besprochenen Kriterien sichergestellt sind, können Eltern am Ende mit einem Zeugnis mit “Genehmigung” rechnen. Dieses wäre nicht anerkannt, aber eine gute Voraussetzung, an einer sogenannten Externen Abschlusssprüfung teilzunehmen. Hierzu sollten sich Eltern also im Vorwege genau erkundigen, wenn sie für ihre Kinder einen deutschen Schulabschluss wünschen. Mit den deutschen Auslandsschulen sind deutsche Expats auch hinsichtlich der Außensicht einer Schulbehörde immer auf der sicheren Seite, wenn sie nach Deutschland zurückkehren. Zu alternativen (internationalen) Schulabschlüssen finden Sie hier – auf Englisch – Hinweise zu virtuellen Schulen.

Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Wenn sich dann eine Familie entscheidet, dass ihr Kind einen nicht-deutschen Schulabschluss erwerben soll, kann es sich im Informationsportal der Bundesregierung näher zur späteren Anerkennung informieren.

Allgemeine Schulpflicht in Deutschland. Die Schulpflicht in Deutschland ist immer eine Präsenzpflicht. Die Situation im Lockdown mit Distanzunterricht, Wechselunterricht und sogenanntem Homeschooling ist eine Ausnahme. Kleiner Exkurs: Seit fast einem Jahrhundert gilt die Schulpflicht derart, dass heutzutage 50% entschuldigtes bzw. 30% unentschuldigtes Fehlen zur Wiederholung führt – die es eigentlich nicht mehr gibt. Weiterhin wird bereits ab dem 3. Tag unentschuldigten Fehlens die Polizei eingeschaltet, um das Kind nötigenfalls zur Schule zu bringen.

Ausblick. So bleibt offen, inwieweit das deutsche Schulsystem virtuelle Initiativen bzw. Unternehmensgründungen überhaupt ins Präsenzmodell integrieren möchte. Siehe Absatz mit ähnlichem Artikel auf Englisch mit Besprechung der allgemeinen Schulpflicht in Deutschland. Es bleibt weiterhin offen, inwiefern es sich diese deutsche Online-Schule bzw. Schulinitiative zum Ziel gesetzt hat, sich als Alternative zu den bereits erwähnten Fernschulen zu etablieren und den entsprechenden Mut und Willen aufzubringen, die deutsche Schullandschaft um diese neue Option dauerhaft zu erweitern.

Fazit. Schulen mit Zulassung bzw. Genehmigung als Mindeststandard sind interessierten Eltern ohne Abenteuerlust zu empfehlen. Schulinitiativen hingegen bedeuten für Eltern unsichere Perspektiven bis zur Statusänderung und fordern viel Engagement.

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